„ich folgte einem glasklaren Gefühl“, Anke Bastrop

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In meinem Arbeitszimmer steht ein Foto, das mich mit 17 Jahren zeigt. Ich sitze auf einer Hollywoodschaukel und lese. Es beruhigt mich. Im Gewusel der Tage, Monate, Jahre bleibt es und zeigt mich als die, die ich bin. Was konnte dieses vermeintlich halbverträumte Wesen auf das Brachialfeld der Politik holen? Am Tag der Bundestagswahl 2013 beschloß ich, die Hebammen-Petition auf der Petitionsplattform change.org zu starten und das Leben als 10-Wochen-Roman zu erfahren. Warum ich das getan habe? Abgesehen davon, daß ich einem glasklaren Gefühl gefolgt bin, glaube ich an das Leben, an Menschlichkeit, Würde und Freiheit. Ich hatte eine Vision. Ich wußte, daß es keine schnelle Lösung für ein Jahre und Jahrhunderte altes Problem geben kann, die tragfähig ist. Ich habe mir gewünscht, daß eine gesamtgesellschaftliche Bewegung stattfindet: daß Menschen sowohl im Verborgenen für sich selbst als auch gemeinsam und offensiv für ihre Würde aufstehen. Ich wollte ein Teil dieser Bewegung sein, bereits begonnene Spuren aufnehmen, verstärken, in eine andere Richtung lenken und sie daraufhin jemandem anbieten, der sie weiterführen kann. Ich hatte zum Platzen viel Kraft und habe sie bis auf die letzte Krume und weit darüberhinaus aufgebraucht. Jetzt stehen die Hebammen im Koaltionsvertrag, Bianca Kasting hat eine neue, kraftvolle Petition gestartet, und ich gehe in Schwerin mit anderen Eltern und Hebammen auf die Straße. Wir sind Teil eines bundesweiten friedlichen Protests wie Deutschland ihn schon lange nicht mehr erlebt hat. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die hinter der Hebammenunterstützung stehen! Daß das hier und heute möglich ist, ist großartig! Ich möchte allen Hebammen Mut machen: Bitte gebt nicht auf, denn diese Bewegung wird etwas verändern! Ich glaube daran, daß alles, was Ihr jeden Tag gebt, zu Euch zurückkommen wird! Wir alle werden uns an einem Ziel versammeln, das nicht meßbar und nicht kontrollierbar ist und Menschlichkeit heißt.

In meinem hauptsächlichen Leben bin ich Mutter von zwei Kindern und arbeite freiberuflich als Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Ich freue mich darauf, jetzt in meinen vertrauten Räumen meinen Teil beitragen zu dürfen, indem ich als Textautorin an der Entstehung des Buches „Das erste Gesicht auf Erden“ mitarbeite.

Alles Liebe, Anke