HINTERGRUND

 

Hintergründe

 

Hebammenarbeit

Hebammen haben nicht nur das Können, sondern auch die gesetzliche Befugnis, physiologische Schwangerschaften, Geburten und Wochenverläufe eigenständig zu betreuen. Ihre Arbeit umfasst die gesamte Lebensphase von der Familienplanung bis zum Ende der Stillzeit. Fehlende oder falsche Informationen über physiologische Schwangerschaften, Geburten und die Wochenbettzeit führen in einer Gesellschaft, die Sicherheit für ein erreichbares Ziel hält, zu einem marktfähigen Zustand: Unsicherheit. Hebammen betonen die Kehrseite der Angst: das Vertrauen in die potenzielle Eigenständigkeit des Einzelnen und die Elemente des Lebens.

 

Einkommenssituation und ihre Folgen

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hat für alle Hebammen einen durchschnittlichen Stundensatz von 7,50 Euro ermittelt. Dieser Wert ist vom Bundesministerium für Gesundheit bestätigt worden. Damit bewegen sie sich abzüglich Kosten, Sozial-versicherungen und Steuern fast schon im Bereich des Ehrenamtes. Weil sie die hohen Kosten nicht mehr tragen können, haben seit 2009 über 25% aller freiberuflichen Hebammen die Geburtshilfe aufgegeben. In einigen Regionen kann deshalb keine außerklinische Geburtshilfe mehr angeboten werden. Für die Frauen bedeutet das: Sie haben keine Wahl. Auch in Kliniken werden Hebammenstellen gestrichen, um Personal einzusparen. Die Frauen müssen damit rechnen, während der Geburt allein gelassen zu werden, weil die Hebammen mehrere Gebärende gleichzeitig betreuen. Und Beleghebammen, die Frauen in 1:1-Betreuung in die Klinik begleiten könnten, sind nur noch schwer zu finden. Grund: Ihr Hauptaufgabenfeld ist finanziell unrentabel.

 

Gesetzliche Situation

Fehlende Hebammenhilfe während der Geburt ist gesetzwidrig, da zu jeder Geburt per Gesetz eine Hebamme hinzugezogen werden muss.

Fehlende Wahlfreiheit ist nach einem Urteil des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Jahr 2010 menschenrechtswidrig.

 

 

Versicherungssituation

Zum 1. Juli 2013 ist die Prämie für die berufliche Haftpflichtversicherung der Mitglieder des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) um 10% gestiegen und beträgt nun 4.480 Euro. Zum 1. Juli 2014 müssen auch die rund 18.000 Hebammen des DHV mit einer Steigerung im zweistelligen Prozentbereich rechnen. „Wir beobachten, dass immer mehr Kolleginnen die Geburtshilfe aufgeben“, sagt Katharina Jeschke vom DHV. Sie schätzt, dass allein 2013 5 bis 10% der freiberuflichen Hebammen aus der Geburtshilfe aussteigen werden. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren lag die Haftpflichtprämie für Hebammen noch bei 30 Euro.  

 

Im Februar 2014 hat sich die Situation der Hebammen nochmals verschärft. Die Nürnberger Versicherung hat angekündigt, sich zum 1. Juli 2015 aus dem Versicherungsmarkt für Hebammen zurückzuziehen. Im April 2014 haben sich nun einige Versicherungen dazu durchgerungen mit Mikro Anteilen sich den verbliebenen Versicherungskonsortium anzuschließen um bis 2016 die Hebammen in Deutschland weiterhin zu versichern. Jedoch wiederum mit einem 20%-igem Aufschlag der Prämien. Was nach Aussagen des DHV eine Versicherungssumme von über 6000€ pro Jahr bedeutet. Die Frage ist, wie viele Hebammen sich diese Summe noch leisten können. Augenscheinlich bedeutet das neben dem langsamen Aussterben des Hebammenberufes auch den Zusammenbruch des Versicherungsmarktes für Hebammen. Denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen Hebammen nicht arbeiten. „Wenn es keine Haftpflicht mehr gibt, kommt das einem Berufsverbot gleich“, erklärt Susanna Rinne-Wolf vom Berliner Hebammenverband.

 

Betroffen ist jedoch nicht nur die außerklinische Geburtshilfe. Durch die Gruppenhaftpflichtversicherungen der Hebammenverbände sind auch die freiberuflichen Tätigkeiten in der Schwangerenvorsorge und Wochenbettnachsorge so abgesichert, dass keine Hebamme in einem eventuellen Schadensfall mit ihrem Privatvermögen haften muss.

Daneben ist auch die klinische Geburtshilfe betroffen. Zum einen die Arbeit der Beleghebammen, die in Kliniken auf freiberuflicher Basis tätig sind. Aber auch die Arbeit der Hebammen, die in einem angestellten Verhältnis einer Klinik arbeiten. In vielen Fällen sind diese von ihrem Arbeitsgeber unterversichert und müssen sich zusätzlich über die Gruppenhaftpflichtversicherung absichern.

 

 

Protest

Neben dem Fotoprojekt "Das erste Gesicht auf Erden" des Lünebrger Hochzeitsfotografen Björn Schönfeld, hat sich mittlerweile ein starker Elternprotest formiert. Teils organisiert, teils begleitet von der Gemeinschaft hebammenunterstuetzung.de finden anhaltende, teils mehrfache, Demonstrationen, Mahnwachen und Protestaktionen im gesamten bundesdeutschen Raum statt. Etwa in Berlin, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Hamburg, München, Bonn, Leipzig, Erfurt u.a. Eine vergleichbare Protestwelle hat es in Deutschland seit Jahren nicht gegeben. Der Protest wird medienwirksam inszeniert, Berichterstattung findet u.a. in der Tagesschau, WDR, NDR, Süddeutsche Zeitung, FAZ, Spiegel, Focus, BILD und zahlreichen Regionalmedien statt.

Wenn Sie sich beteiligen möchten, finden sie hier weitere Informationen:

Hebammenunterstützung

Bund freiberuflicher Hebammen Deutschland

Deutscher Hebammen Verband